Interreligiöses Begegnungslernen im Religionsunterricht der Grundschule.
Eine explanativ-theoriegeleitete Mixed-Methods-Studie zur Untersuchung inhalts- und prozessbezogener Kompetenzerweiterung
Interreligious Encounter Learning in Primary Religious Education:
A Theory-Driven Mixed-Methods Study on the Development of Content and Process Competencies.
Projektdauer:
01.05.24 bis 01.05.28
Kurzinhalt:
Der zunehmende religiöse und weltanschauliche Pluralismus in Deutschland stellt Schule und Religionsunterricht vor neue Aufgaben. Kinder wachsen in einer Gesellschaft auf, in der Begegnungen mit unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen und Lebensdeutungen alltäglich sind. Der Religionsunterricht ist daher gefordert, Lernräume zu schaffen, in denen Schülerinnen und Schüler sich ihrer eigenen Überzeugungen bewusst werden, andere Perspektiven wahrnehmen und einen respektvollen Dialog führen können.
Das Interreligiöse Begegnungslernen (IRBL) stellt ein fächerkooperatives Konzept dar, das dialogische Lernprozesse zwischen Kindern verschiedener religiöser oder weltanschaulicher Hintergründe ermöglicht. In vier aufeinander aufbauenden Phasen – Wahrnehmen, Austauschen, Vergleichen und Deuten – eröffnet es Zugänge, um Differenzen wahrzunehmen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und religiöse Deutungen konstruktiv zu bearbeiten. Während das IRBL in der Lehrkräftebildung und Sekundarstufe bereits erprobt wurde, fehlt bislang eine empirisch fundierte Untersuchung seiner Wirksamkeit im Primarbereich.
Die vorliegende Dissertation schließt an dieses Forschungsdesiderat an. Sie verfolgt das Ziel, die Wirksamkeit des fächerkooperativen Interreligiösen Begegnungslernens im Religionsunterricht der Grundschule zu prüfen und theoretisch einzuordnen. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern das IRBL zur Förderung inhaltsbezogener Kompetenzen (Wissen, Differenzverstehen) und prozessbezogener Kompetenzen (Empathie, Reflexion, Vorurteilsbewusstheit, Differenzkompetenz) beitragen kann.
Die Arbeit folgt einem explanativ-theoriegeleiteten Forschungsansatz, der sowohl quantitative als auch qualitative Verfahren integriert. Methodisch wird das Projekt im Sinne eines explanatory sequential Mixed-Methods-Designs angelegt: Eine quantitative Untersuchung dient der Prüfung theoretisch abgeleiteter Hypothesen, während qualitative Interviews ergänzend vertiefende Einblicke in die pädagogischen Prozesse und Bedingungen des interreligiösen Lernens geben.
Die theoretische Fundierung der Studie stützt sich auf das Kompetenzverständnis empirischer Religionspädagogik (Unser & Riegel 2025) und die didaktischen Grundprinzipien des Interreligiösen Begegnungslernens (Boehme 2023). Ziel ist es, die Förderung religiöser und weltanschaulicher Kompetenzen im Primarbereich empirisch zu überprüfen und zugleich theoretische Einsichten in die Bedingungen dialogischer Lernprozesse zu gewinnen.
Damit leistet die Arbeit einen Beitrag zur empirischen Fundierung interreligiöser Bildung und zur Weiterentwicklung religionspädagogischer Kompetenzmodelle in pluralen Lernkontexten. Sie versteht sich als Schnittstelle zwischen Theorieentwicklung, empirischer Wirkungsforschung und didaktischer Praxis – mit dem Ziel, Wege aufzuzeigen, wie Grundschülerinnen und -schüler durch Begegnung, Austausch und Deutung religiöser Vielfalt zu einer reflektierten Dialogfähigkeit befähigt werden können.