Prorektorat - für Forschung

Entwicklung und Erprobung einer Unterrichtsreihe und zugehöriger Schulmaterialien zum interdisziplinären Thema "Handy und Mobilfunkstrahlung"
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:Im Fächerverbund Naturwissenschaftliches Arbeiten (NWA) der Realschule ist für die Klasse 10 das Thema "Informationen verarbeiten, speichern, übertragen" vorgesehen mit der Zielvorgabe: "Schülerinnen und Schüler können elektromagnetische Strahlung als Phänomen beschreiben, sowie Elektrosmog nachweisen." Der Fächerverbund Materie-Natur-Technik der Hauptschule strebt beim Thema "Elektrifizierte Welt" u. a. die Kompetenz an: "Die Schülerinnen und Schüler können den technologischen Wandel unter ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten bewerten und ihr eigenes Verhalten reflektieren." Diese Vorgaben können am Beispiel der neuen mobilfunkgestützten Kommunikationsmöglichkeiten äußerst lebensnah konkretisiert und daran die geforderten Kompetenzen erarbeitet werden. Ziel des Projekts war es, hierzu entsprechende Schulmaterialien zu entwickeln, zu erproben und zu evaluieren.
Interdisziplinarität: Das Handy ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, die neue Technik bietet sich mit zunehmend zahlreicher werdenden Diensten an, die auch immer mehr genutzt werden und einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor bedeuten. Diese Entwicklung beeinflusst nachhaltig unsere Gesellschaft: Die technische Grundlage der Handynutzung erfordert Tausende von Mobilfunkmasten, die nicht nur das Städte- und Landschaftsbild beeinträchtigen, sondern unsere unsichtbare Umwelt flächendeckend mit Mikrowellenstrahlung neuartiger Modulationsformen und immenser Intensität im Vergleich zum natürlichen Auftreten durchsetzen. Insbesondere wird beim Telefonat der Kopfbereich mit vergleichsweise höchsten Intensitäten belastet. Die Forschung und die Diskussion darüber, ob bzw. inwieweit hieraus Gefahren für die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze entstehen können, ist bis heute nicht abgeschlossen und wird äußerst differenziert und kontrovers geführt. Verlässliche Forschungsergebnisse sind erst in einigen Jahren zu erwarten, wenn verschiedene Langzeitstudien abgeschlossen sind. Wir alle sind daher zurzeit einem schwer zu kalkulierenden Risiko ausgesetzt, so dass Aufklärung darüber erforderlich ist, wie man seine persönliche Strahlungsimmission so niedrig wie möglich halten kann. Diese Forderung wird seit Einführung der mobilfunkgestützten Kommunikationsmöglichkeiten immer wieder erhoben und primär aus diesem Grunde war das Amt für Sport und Gesundheitsförderung der Stadt Heidelberg an die Pädagogische Hochschule herangetreten und hatte um die Erstellung von entsprechenden Schulmaterialien zu dieser Problematik für den Rhein-Neckar-Kreis gebeten. Dies war der Anlass für die Entwicklung und Durchführung des hier skizzierten Projekts. Im sozialen Bereich erleben wir geänderte Kommunikationsformen mit all ihren Vor- und Nachteilen und neuartige Probleme, die mit den vielfältigen Möglichkeiten und Funktionen von Handys verbunden sind. Bei Schülerinnen und Schülern überlagern ökonomische Aspekte die Handynutzung. Aber auch politische Aspekte sind mit der Einführung der Mobilfunktechnologie verbunden. Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine Novellierung der gesetzlichen Grenzwerte immer dringlicher erscheint, um langfristig erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigungen von der Bevölkerung abzuwenden. Ein weiterer wichtiger politischer Aspekt ist die Frage nach den Mitbestimmungsmöglichkeiten der Kommunen bei der Standortwahl von Mobilfunkmasten und deren Strahlungsleistung, oder auch nach dem Einfluss der verschiedenen Interessengruppen auf die Politiker, ihre Gremien und Entscheidungen.
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Ergebnis:Bei der Entwicklung der Schulmaterialien hatten wir von Anfang an das Ziel, nicht nur den gesundheitsgefährdenden Aspekt zu thematisieren. Um dem interdisziplinären Charakter gerecht zu werden, wollten wir auch die technischen Grundlagen im Ansatz erschlieen ßund insbesondere den Einfluss der Handynutzung auf die Kommunikation von Jugendlichen inklusive ihrer finanziellen Konsequenzen bewusst machen. Die Schulmaterialien gliedern sich daher in drei Hauptthemen mit folgenden Unterpunkten:
1. Technisch-physikalische Aspekte
1.1 Organisation des Mobilfunks
1.2 Wie kann man Mobilfunkstrahlung nachweisen?
2. Biologische Aspekte: Gefahren durch Mobilfunkstrahlung
2.1 Gefahren durch die Wärmewirkung von Mobilfunkstrahlung
2.2 Wirkungen von Mobilfunkstrahlung auf das Blut
2.3 Vorbeugende Maßnahmen und Schutzmöglichkeiten vor Mobilfunkstrahlung
3. Soziale, kommunikative und ökonomische Aspekte
3.1 Neue Chancen und Risiken durch (zunehmende) Nutzung von Handys
3.2 Damit das Handy nicht zur Schuldenfalle wird...
Alle Materialien sind derart konzipiert, dass die Schülerinnen und Schüler die Themen problemorientiert erarbeiten und bei den technischen und gesundheitlichen Aspekten zahlreiche Versuche selbständig durchführen können, so dass sie die Wechselwirkung der Strahlung mit Materie an vielen Beispielen erfahren können. Die Materialien lassen Teamarbeit und soziales Erleben zu und regen die Kommunikation an. Sie können auf vielfältige Weise im Unterricht eingesetzt werden.
Einige Geräte und Versuche zum Nachweis und zur Wirkung von Mobilfunkstrahlung wurden hierzu vom Fach Physik eigens entwickelt wie zum Beispiel ein Niederfrequenzverstärker für Digitalsignale oder einfache Antennen mit Miniglühlämpchen, die die hohen Strahlungsintensitäten und ihre Schwankungen in der Nähe eines Handys optisch anzeigen können. Die Geräte lassen sich mit sehr geringen Kosten leicht selbst z. B. im Rahmen eines Projekts herstellen, so dass auf diese Weise keine teuren professionellen Messgeräte erforderlich sind, um wesentliche Aspekte der Mobilfunkstrahlung hinsichtlich Intensität, Ausbreitung, Reflexion und Abschwächung, Polarisation usw. deutlich werden zu lassen.
Die Materialien zu den technisch-physikalischen Aspekten wurden von Simon Kurfe? im Rahmen seiner Examensarbeit an der Theodor-Heuss-Realschule Walldorf erprobt und evaluiert. Auf diese Weise konnte die Konzeption dieses Bereichs didaktisch und methodisch deutlich verbessert werden.
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:01.02.2005 bis 31.03.2008
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Dr. Scheler, Klaus (Leitung) [',,']
Prof. Dr. Laukenmann, Matthias (Leitung) [',,']

Dr. Susanne Rohrmann (Biologie), Dr. Daniel Bienia (Technik), Christine Häberlen (Physik) und die Studierenden Simon Kurfeß, Alexander Kraft, Sanchia Elanjimattom, Kerstin Schaber, Anja Rau und Dorothee Flörchinger

:Amt für Sport und Gesundheitsförderung der Stadt Heidelberg; Theodor-Heuss-Realschule Walldorf
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Hier gibt es weitere Informationen zu den Schulmaterialien.
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Prof. Dr. Matthias Laukenmann 25.10.2007
Prof. Dr. Laukenmann, Matthias 16.01.2020
    
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