Ökogarten Heidelberg - nachhaltig lernen im Projekt Mensch nutzt Natur
Projektdauer:
01.01.02 bis 31.12.04
Kurzinhalt:
Strategien zur Erhaltung und vertretbaren Nutzung biologischer Vielfalt sind Gegenstand der didaktischen Arbeit im Ökogarten der PH Heidelberg. Zugleich hat Biodiversität neben ökologischen auch sozio - ökonomische Dimensionen. Wir bearbeiteten die Frage, inwieweit eine Vernetzung und Umsetzung dieser theoretischen Ansätze mit didaktischem Handeln im Rahmen der wissenschaftlichen Ausbildung von Lehrerinnen möglich ist. Durch empirische Untersuchungen mit schriftlichen und mündlichen Befragungen bei beteiligten Studierenden des Projektes "Mensch nutzt Natur" über 3 Jahre wurde herausgefunden, dass in der Problemfindung selbst die eigentliche, auch zeitintensive Herausforderung von interdisziplinärer Projektarbeit besteht und dass diese Projektarbeit erlernt werden muss.
Ergebnis:
Präsentationen fanden an öffentlichen Projekttagen jeweils im Juni der Jahre 2002 bis 2004 statt.
Untersuchungsmethoden:
- Jeweils nach diesen Projektpräsentationen wurden zur Evaluation Fragebögen eingesetzt. Sie enthielten Items zu Kompetenzen (zu Teamfähigkeit, zur Medienkompetenz, zu didaktischen Kompetenzen), zu studienorganisatorischen Rahmenbedingungen und Studienverlauf, Einschätzungen des individuellen Projektverlaufs und der Projektinhalte. Im Jahr 2003 konnten 151 Fragebögen von Studierenden verschiedener Studienrichtungen ausgewertet werden, die am Projektverlauf aktiv beteiligt waren. Die Erhebung wurde mit Studierenden im Jahr 2004 in vergleichbarem Umfang wiederholt. Zusätzlich wurden Ergebnisse der schriftlichen Evaluation in Gruppengesprächen reflektiert.
- Außerdem wurde durch eine medienpädagogisch fundierte Befragung untersucht, ob man die Originalbegegnung mit Natur vor Ort durch virtuelle Darstellungen sowie digitale Fotografie initiieren oder fördern kann. Die zugehörige CD stellt die Vielfalt der Biotope, einzelne Arten sowie Möglichkeiten der didaktischen Arbeit innerhalb von Projekten mit Bild, Text und Ton vor.
Ergebnisse:
- Die Fragebogenevaluation zum Projektverlauf der Arbeit am interdisziplinären Projekt "Mensch nutzt Natur" offenbarte, dass die unterschiedlichen Besucher insbesondere die Vielfalt der bisherigen Angebote zu schützen wussten.
- Etwa 160 Studierende aus interdisziplinären und fachbezogenen Kursen waren 2003 aktiv an der Gestaltung der Projektpräsentationen beteiligt. Für 2/3 der Studierenden waren dies die ersten Projektpräsentationen während des Studiums.
- Den größten Zuwachs an Artenkenntnis (hochsignifikant) erzielten Biologie-Studierende, die interdisziplinären Angebote nutzten sie jedoch am wenigsten.
- Der Zuwachs der Kenntnisse regionaler Geschichte und Vorgeschichte ließ sich im Vergleich zum Vorjahr 2002 verbessern durch die konkrete regionale Anbindung, die strukturierte Veranschaulichung von Zeiträumen sowie die ergänzenden interdisziplinären Angebote (Museumsbesuche, Kolloquium mit Experten).
- Die interdisziplinäre Problemfindung stellte für die Beteiligten im Hauptstudium eine enorme Herausforderung dar (bestätigt durch mündliche Befragungen).
- Die Befragung zeigte 2004 ein heterogenes Antwortspektrum zu den während des Projektes erworbenen Kompetenzen und Lernerfahrungen bei den unterschiedlichen Beteiligtengruppen, je nach Studieninteressen (ILL oder Fach) und Vorkenntnissen.
Diskussion:
Interdisziplinäres Lehren und Lernen war ein zentraler Teil der Lehrerausbildung in Baden-Württemberg nach der Studienordnung von 1998. Deshalb war der Umgang des Menschen mit Natur Gegenstand eines längerfristigen interdisziplinären Hochschulprojektes in Kooperation der Fächer Biologie, Physik, Philosophie an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Die ersten 4 Semester des Projekts (1999-2001) hatten folgende Konsequenzen erbracht, die beim Projektverlauf 2002 bis 2004 berücksichtigt werden konnten:
- Erhöhung der Eigentätigkeit der Studierenden, Abbau der "Konsumentenhaltung" gegenüber vermeintlich fertigen Wissensbeständen und Methoden;
- Ausweitung der teilnehmeraktiven Methoden als Vorbilder für interdisziplinäres Arbeiten im Beruf;
- vor allem aber verstärkte Anregung zu problemorientiertem Arbeiten statt Themenorientierung (vgl. In: Wellensiek, Petermann (Hrsg.) 2002).