Unterrichtsqualität und Kompetenzentwicklung am außerschulischen Lernort - Labor Garten
Quality of teaching and development of competences at the extracurricular learning venue - Laboratory Garden
Projektdauer:
01.04.08 bis 28.02.10
Kurzinhalt:
Lernprozesse im Freien bieten besondere Potentiale für den Umgang mit heterogenen Schülergruppen, erfordern jedoch eine klare Vernetzung mit regulärem Schulunterricht. Individualisierte Lernformen fördern nach unserer Hypothese an außerschulischen Lernorten nur dann die Kompetenzentwicklung, wenn sie in abgestimmten Lernphasen mit kollektiven und kommunikativen Formen kombiniert werden, am Lernort selbst sowie im begleitenden Unterricht. Unter Annahme eines sozial-konstruktivistischen Lernmodells ist für eine gute Unterrichtsqualität mit heterogenen Lerngruppen die Ausgewogenheit der sechs Komponenten Wahrnehmen, Erarbeiten, Gestalten sowie Präsentieren, Kommunizieren und Anwenden / üben essentiell. Wir untersuchten, unter welchen Bedingungen und Strukturen messbare Kompetenzzuwüchse bei Nutzung des außerschulischen Lernorts Labor Garten auftreten. Die Lerninhalte beziehen sich auf Biodiversität und Biotechnologie.
Ergebnis:
Aus fachlicher Sicht stellen wir an guten Unterricht zu Biodiversität und Biotechnologie folgende Ansprüche: Beschränkung auf exemplarische Beispiele (Jäkel, Schaer 2004); Kontextuelle Einbindungen der Unterrichtsinhalte; Aufbau von Zusammenhängen auf systematischer, ökologischer und biochemischer Ebene; Alltagsbezug und Handlungsmöglichkeiten im Hinblick auf Gestaltungskompetenz.
In der Studie wurde die Unterrichtsqualität über Unterrichtsbeobachtungen mit den entwickelten Merkmalsbögen Dabei berücksichtigten wir auch Kriterien nach A. Helmke, F. Gervé, G. E. Becker, H. Meyer, und M. Wilhelm. Das Instrumentarium erforderte jedoch einen spezifischen Zuschnitt auf die Besonderheiten des außerschulischen Lernortes. Mithilfe einer schriftlichen Befragungen (Pre- / Posttest) wurden die Kompetenzzuwüchse der Kinder beurteilt (Methodentriangulation qualitativ, quantitativ) sowie Lehrerinnen befragt.
Ergebnisse und Diskussion: Die Betrachtungen und Untersuchungen von Wild- und Kulturpflanzen mit ihren ökologischen Beziehungen vor Ort eröffneten den Kindern Alltagsbezüge und Sinnzusammenhänge (sieben erste bis dritte Klassen im Vortest). Anhand von Schülerdokumentationen wurden kontextbezogene Artenkenntnisse und entwickelte Handlungsstrategien erkennbar (z. B. Minze und Zitronenmelisse oder Feinstrahl und Gänseblümchen sicher unterscheiden, sinnvoll mit Spitzwegerich oder Brennnessel bzw. Lurchen umgehen, Biotopschutz).
Die Hauptstudie im Jahr 2009 umfasste acht Schulklassen der Sekundar- und Primarstufe. Die Untersuchungen am außerschulischen Lernort Garten geben klare Hinweise auf einen bedeutenden Stellenwert organisatorischer Rahmenbedingungen und die Notwendigkeit der Strukturierung der Lernprozesse. Die Einschätzung des außerschulischen Lernortes Garten durch die Schulkinder ist insgesamt sehr positiv.
Die pro Klasse erreichten Messwerte sind abhängig von der fachlichen Einbettung des im Garten Gelernten in ergänzende schulische Zusammenhänge. Die Erweiterung der Wahrnehmungsperspektive durch die Kommunikation in der Großgruppe sowie die individuelle Beobachtung und Dokumentation in Einzel- bzw. Kleingruppenarbeit kommen der Heterogenität der Schülerinnen und Schüler entgegen.