Eye Tracking - Untersuchung von Augenbewegungen beim Betrachten histologischer Bilder (Mikroskopie)
Projektdauer:
01.08.13 bis 10.02.16
Kurzinhalt:
Gelingt es Schulabsolventen, die zellulären Strukturen an komplexen humanbiologischen Geweben zu identifizieren und zu erkennen, wie beispielsweise bei der Retina? Durch Aufzeichnung von Augenbewegungen (Eye Tracking) wurde untersucht, ob bewusstes Erkennen und Deuten von histologischen Bildern vom Vorwissen abhängig ist. Weiter wollten wir ausloten, inwieweit über Eye Tracking Rückschlüsse auf Prozesse des Verstehens zellulärer und histologischer Zusammenhänge möglich sind. Über diese Studie sollte geprüft werden, ob Eye-Tracking ein geeignetes Instrument sein kann, um Effekte von Interventionen zu erkennen.
Die Voruntersuchung erfolgte an 11 jungen Erwachsenen kurz vor oder nach dem Abitur, die Hauptuntersuchungen erfassten 26 Abiturienten beim Betrachten histologischer Bilder im Tübinger Schülerlabor für Neurowissenschaften.
Ergebnis:
Die Daten zeigen, dass das Vorwissen zu zellulären Strukturen des Auges bzw. des Zentralnervensystems die Gesamtzahl der Sakkaden und Fixationen auf dieser Niveaustufe nicht beeinflusste. Jedoch weisen Probanden mit besserer Kenntnis der Strukturen des Auges eine höhere Anzahl von Fixationen der gesuchten Sinneszellen auf, insbesondere beim histologischen Bild des Augenhintergrunds. Die qualitative Analyse des „Scanpath“ histologischer Abbilder ermöglichte jedoch Rückschlüsse auf konkrete kognitive Aspekte des attentiven Bildverstehens. Es konnten verschiedene Strategien des Betrachtens und „Sehens“ unterschieden werden, wie z. B. zielgerichtete Suche oder weniger erfolgreiche Orientierung an Kontrasten oder Grenzschichten. Wichtig scheinen die Passung der Lernimpulse zum Vorwissen sowie ausreichende Übung des mikroskopischen „Sehens“.