Das Thema ästhetische Erfahrungen mit literarischen Texten für Menschen mit kognitiven Einschränkungen hat in der sonderpädagogischen Forschung bislang nur am Rande Beachtung gefunden, da insbesondere die Förderung der Handlungsfähigkeit für die Alltagspraxis als vornehmliches Ziel gilt. Das Erleben von Klang und Rhythmus der Sprache, eine emotionale Teilhabe an Geschichten, der Zugang zu neuen Perspektiven, wie sie Literatur ermöglichen kann, werden für diese Lerngruppe als zu schwer oder nicht als essentiell erachtet. Wenn Literatur eingesetzt wird, dann zumeist in Form von Übersetzungen in Einfacher oder Leichter Sprache. Ob diese allerdings geeignet sind, literarisches Wirkungspotenzial zu entfalten, wird kontrovers diskutiert und wurde bislang für den inklusiven Unterricht nicht untersucht. Auch unabhängig vom Grad der sprachlichen Komplexität literarischer Texte ist bislang wenig darüber bekannt, wie Jugendliche mit und ohne kognitive Einschränkung Texte rezipieren und welche Möglichkeiten sie nutzen, sich zu Texten zu äußern. Im beantragten Projekt soll untersucht werden, wie sich unterschiedliche sprachliche Varianten eines literarischen Textes auf Bedeutungskonstruktionen der Jugendlichen auswirken, welche Unterschiede diesbezüglich zwischen Jugendlichen mit und ohne kognitive Beeinträchtigung bestehen und welche (verbalen und nonverbalen) Möglichkeiten die Schülerinnen und Schülern mit und ohne kognitive Beeinträchtigung nutzen, um sich zu einem literarischen Text zu äußern.
Projekt-ID:763 Fak I • Sonderpädagogik - Geistig- und MehrfachbehindertenpädagogikErfasst von Janz, Frauke(Dr.) am 22.10.20 Zuletzt geändert von Janz, Frauke(Dr.) am 05.06.24