Das Eigenbuch als Methode fächerübergreifenden Lernens
Projektdauer:
01.04.01 bis 30.09.06
Kurzinhalt:
An der Pädagogischen Hochschule Heidelberg wurde vom Projektleiter in mehreren Veranstaltungen die Eigenbuchgestaltung als "produktionsorientierte" Methode des Arbeitens in Fächerverbünden eingeführt. Die Methode stärkt die Praxisnähe der Lehrerausbildung und fördert die Einübung in interdisziplinäres Arbeiten. Die Studierenden erhalten die Aufgabe, zu einem Thema ein fächerübergreifendes Eigenbuch so zu gestalten, wie es mit Schülern einer festgelegten Stufe gestaltet werden könnte. Diese Aufgabenstellung erfordert, sich sowohl inhaltlich ein neues Thema zu erschließen als auch den Stoff im Blick auf die gewählte Stufe zu elementarisieren und methodisch zu bearbeiten. In einem zusätzlichen didaktischen Kommentar wird der Arbeitsprozess reflektiert und die Gestaltung didaktisch begründet.
Im Rahmen von Schulpraktika leiten Studierende ihre Schüler bei der Anfertigung von Eigenbüchern an.
Das Eigenbuch hat mehrere Funktionen: Es ist Arbeitsbuch, Dokumentation, Kunstwerk und Erinnerungsstück. Da die Präsentation der fertigen Bücher, z. B. in einer Ausstellung, der krönende Höhepunkt eines Projekts sein kann, legt es sich nahe, das Buch situationsbezogen durch dreidimensionale Objekte zu ergänzen. In mehreren Ausstellungen (u. a. Heidelberger Volksbank 2001/02) wurden Bücher und Objekte von Studierenden, ergänzt durch einige Schülerarbeiten, präsentiert.
Ergebnis:
In den 1980er Jahren tauchte der Begriff "Eigenbuch" in der schulpädagogischen Literatur auf. Das "Eigenbuch" ist ein vom Schüler, in der Regel unter Anleitung des Lehrers, selbst gestaltetes Buch - manchmal auch eine Mappe - zu einem abgegrenzten Thema. Die Auseinandersetzung des Schülers mit seinem Thema wird in Buchform dokumentiert. Es liegt eine Nähe zu den gegenwärtig in Hochschul- und Schulpraxis geläufigen Portfolio-Methoden vor, jedoch wird nach meinen Beobachtungen bei der Eigenbuch-Methode systematisches Denken expliziter herausgefordert und auf die Reflexion der ästhetischen Wirkung mehr Wert gelegt.
In bestimmten schulischen Traditionen hatte die Buchgestaltung schon länger einen festen Platz. Von der aus der Freinet-Pädagogik kommenden Idee her, Schüler könnten sich in einer Schuldruckerei sprachlich, handwerklich und künstlerisch verwirklichen, war der Schritt zur Buchgestaltung nicht weit. Diese Anregung wurde insbesondere in den Katholischen Freien Schulen der Diözese Rottenburg Stuttgart, die nach dem �Marchtaler Plan� (seit 1987) arbeiten, zu einer Eigenbuch-Methode weiterentwickelt. Die Epochenthemen des sogenannten �Vernetzten Unterrichts�, eines den Religionsunterricht einschließenden Fächerverbunds, werden hier wiederholt in Büchern dargestellt, die die Schüler selbst gestalten und binden.
Vom herkömmlichen "Schulheft" unterscheidet sich das selbstgestaltete Buch des Schülers in mehrfacher Hinsicht:
� Das Schulheft wird als "Jahrgangsheft" fortlaufend geführt, bis es voll oder das Schuljahr zu Ende ist. Es enthält die Hefteinträge zu mehreren Themen eines Faches. Das Eigenbuch ist einem Einzelthema gewidmet.
� Das Schulheft bezieht sich in der Regel auf ein einzelnes Fach. Das Eigenbuch kann ebenfalls in einem Einzelfach hergestellt werden. Insbesondere aber eignet sich die Methode zur Vertiefung und Dokumentation von Schwerpunkt- oder Epochenthemen in fächerübergreifender (fächerverbindender, vernetzter) Unterrichtsarbeit.
� Das fortlaufend geführte Schulheft enthält die Einträge in der Regel in einer vom Lehrer vorweg festgelegten Reihenfolge. Die Teile des Eigenbuches werden zunächst auf losen Blättern erstellt. Erst vor dem Binden besprechen Lehrer und Schüler die endgültige Reihenfolge der Seiten, wobei bei geeigneten Themen individuelle Varianten möglich sind. Gleichzeitig wird � jedenfalls bei komplexen Themen � ein Inhaltsverzeichnis erstellt. Durch die Beteiligung der Schüler an der Ordnung der Inhalte und am Erstellen des Inhaltsverzeichnisses wird ihr systematisches Denken geschult. Sie sollen Zusammenhänge zwischen den Teilthemen und einen roten Faden erkennen können. Denn das Eigenbuch soll über die Stufe einer Materialsammlung oder einer Addition der Beiträge verschiedener Fächer hinausgehen.
� Im Vergleich mit dem herkömmlichen Schulheft ist das Eigenbuch ein individuelleres Produkt des Schülers, das den Anteil der Selbstgestaltung des Schülers steigern soll. Es enthält Elemente, die den Schüler anregen, seine persönliche Beziehung zu seinem Thema, dem Beobachteten, den Bildern und Texten auszudrücken und zu gestalten.
� Das Schulheft wird in der Regel fertig gebunden gekauft. Das Eigenbuch wird auch in "handwerklicher" Hinsicht vom Schüler gestaltet. Er gestaltet den Einband bzw. das Titelblatt und bindet abschließend sein Buch.
Die Gestaltung eines Buches als ästhetisches Objekt ist verbunden mit Aspekten der Persönlichkeitsbildung. Dem Kind wird die Erfahrung ermöglicht, ein eigenes Werk schaffen und vollenden zu können. Eine derartige Buchgestaltung ist in erzieherischer Hinsicht ein Medium zur Stärkung des Selbstvertrauens des Schülers.