Naturwissenschaften in Fächerverbänden - Bedarf und Ergebnisse von Fortbildungen
Projektdauer:
01.01.05 bis 30.12.06
Kurzinhalt:
Nach Einführung neuer Bildungspläne 2004 in Baden-Württemberg in verschiedenen Schulformen haben sich an die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen neue Anforderungen ergeben. Fächerverbände wurden etabliert, manche Lernform wurde normativ gestärkt und z. T. wurden bewährte Strukturen verändert. Um den Lehrenden theoriegeleitet die nötige Unterstützung durch die Hochschule zukommen zu lassen, wurde der konkrete Bedarf didaktischer Unterstützung des Unterrichtens von Naturwissenschaft in Fächerverbänden bei den Schulen der Region erhoben und durch Fortbildungen bedient.
Unsere bisherigen Fortbildungen für Lehrende in den neuen Fächerverbänden verschiedener Schulformen standen z. B. unter den Themenrahmen "NWA - auf dem Weg zum verantwortlichen Handeln (Realschule)", "Energie", "Fasern und Farben"(verschiedene Schulformen einschl. Gymnasium) oder "Annäherung an Pflanzen" (Grundschule). Bei der Durchführungen kooperierten Schulpädagogen, Biologinnen, Physiker, Chemiker, Technikexperten und auch Dozenten für Bildende Kunst. So gehören zu dem Angebot "Farben und Fasern" beispielsweise das Essen nach Farben, das Färben von tierischen und pflanzlichen Fasern mit Saflor, Krapp u. a. Naturfarben, die Darstellung farbigen Lichtes durch Einsatz von Prismen, die Untersuchung von Regenbögen oder analogen Funktionsmodellen, die Extraktion von Farben aus Lebensmitteln (Anthocyane, Carotinoide u. a.), das Herstellen von Caseinfarben oder die Untersuchung von Blattfarbstoffen. Anregend waren dabei aber weniger die Lehrplanvorgaben der "Pflichtexperimente", sondern vielmehr das Hinterfragen von Phänomenen und der bewusste und fantasievolle Einsatz von Methoden zu deren Aufkärung und nicht das Abarbeiten vorgegebener Versuchsanleitungen. Die Schwerpunkte setzten wir bei der immanenten Vernetzung verschiedener Dimensionen sowie bei der Gestaltung von Lernsituationen und Lernumgebungen.
Ergebnis:
Einerseits wurden Wünsche und Bedarf an Fortbildungen zum Fächerverbund vergleichend zwischen Grundschule, Realschule und Hauptschule erhoben. Besonders stark nachgefragt waren in einer schriftlichen Umfrage bei allen Schulen der Region konkrete Anregungen für Schülerversuche, aber auch Unterrichtsvorschläge zur Klärung von Alltagsphänomenen sowie zur projektorientierten Arbeit. Grundkenntnisse über Stoffe und ihre chemischen Reaktionen werden inhaltlich für weniger wichtig erachtet als beispielsweise physikalische Versuche oder ökologische Erkundungen (z. B. bei Grundschullehrerinnen n=79).
Andererseits wurden die Fortbildungen selbst evaluiert und zu klärenden Gesprächen über die Konzeptionen und praktischen Umsetzungen von Fächerverbänden genutzt. Bei den Befragungen der beteiligten Lehrerinnen und Lehrer traten erstaunliche Ergebnisse zutage. In einer zehnstufigen Skala per Fragebogen gehen die Einschätzungen extrem auseinander, ob es sich beim Fächerverbund "Mensch, Natur und Kultur" für die Grundschule um ein gut durchdachtes Konzept handele oder eben nicht. Bei allen Klagen im Detail wurde aber eingeschätzt, dass man nicht wieder zu dem Unterrichten in den Einzelfächern Musik, Sachunterricht oder Bildende Kunst zurückkehren wolle.
Die Fortbildungen werden von den Teilnehmenden sehr positiv bewertet, jedoch nimmt die Zahl von Teilnehmerinnen an Fortbildungen derzeit ab, was u. E. auch im Zusammenhang mit administrativen Rahmenbedingungen und schulorganisatorischen Belastungen diskutiert werden muss.
Bei der Organisation der Fortbildungen zeigte sich in übereinstimmung mit Evaluationsergebnissen interdisziplinärer Veranstaltungen mit Studierenden, dass die interdisziplinäre Kooperation bereichernd, aber zugleich sehr zeitaufwändig ist. Die Evaluationsergebnisse der Fortbildungen bestärken in der Fortsetzung dieses Ansatzes.