Biologische Vielfalt im Garten fördern - Lernort Ökogarten
Das Projekt "Mensch nutzt Natur" befindet sich in der Phase der Implementierung, nachdem in den 90er Jahren die Herausbildung von Handlungsaktivität im Gartenbereich (vorwiegend retrospektiv) erforscht wurde und in den ersten Jahren dieses Jahrzehnts Bedingungen interdisziplinärer Arbeit mit Studierenden im Ökogarten untersucht und dokumentiert wurden (z. B. Jäkel 2003). Weiterhin wird die Arbeit von dem Modell "von der Faszination zum Handeln" (Berck, Klee 1992) sowie dem Ansatz des sustainable Development getragen. Besondere Berücksichtigung finden Formen des interdisziplinären Arbeitens. Maßgeblich ist außerdem der Ansatz der Selbstbestimmungstheorie der Motivation nach Deci und Ryan (1993).
Der Ökogarten der PH Heidelberg ist ein Lernort der Naturbegegnung, ein Studienort und zugleich ein vielfältiger Lebensraum.
Nach diesem Ansatz wird den Nutzern des Ökogartens ein intensives und persönliches Naturerleben ermöglicht. So gelang es, eine Form der naturnahen Landschaftsgestaltung mit Erlebnis- und Bildungscharakter zu institutionalisieren.
Unterstützung und Anregungen erfährt das Team beständig durch die enge Kooperation mit dem Bezirksverband der Gartenfreunde, mit dem Agenda - Büro der Stadt Heidelberg, dem 1. Arbeitskreis Schulgärten Baden-Württemberg (dem der Ökogarten aktiv angehört) sowie seit 2003 von der Gartenakademie Baden-Württemberg.
Unser Ökogarten ist ein Garten der Vielfalt. Diese Biodiversität bezieht sich auf Arten und Biotope (von Hecken, Waldarealen, Streuobstwiese, Kräuterspirale bis zum Acker), aber auch auf eine Vielfalt von Nutzungsformen. Daher werden neben der praktischen Gartengestaltung vor Ort eine Vielzahl von didaktischen Möglichkeiten der praktischen Umweltbildung und Ernährungsbildung angeboten. Schließlich ist ein Garten ein Lernort im Freien, wo in angenehmer emotionaler Atmosphäre gelernt oder auch entspannt werden kann.
Der wohl beste Weg zur Erkenntnis der Natur verläuft über Faszination an Natur, dies ist nicht nur Ergebnis unserer eigenen wissenschaftlichen Recherchen zur Genese von Engagement im gärtnerischen Bereich, es deckt sich auch mit Erkenntnissen aus der Erforschung von Naturerfahrungsdimensionen innerhalb der fachdidaktischen Forschung. Gleichwohl ist erfolgreiche und nachhaltige Umweltbildung eine immer neue Herausforderung.
Wir beschäftigen uns u. a. mit der Frage, wie die Originalbegegnung durch den Einsatz neuer Medien (z. B. digitale Fotografie und Bildbearbeitung) für Lehr- und Lernprozesse vertieft werden kann. Denn für die Natur (und auch unseren Garten) begeistern kann sich nur, wer sich der Natur aussetzt.
Im Zuge der immer stärkeren Vernetzung naturwissenschaftlicher Fächer im Bildungskanon der Schulen gehört Interdisziplinarität zu einem grundlegenden Arbeitsprinzip auch im Garten. Wir verstehen uns nicht als botanischer Garten, auch nicht als rein biologischer Garten, wohl aber als Lern- und Studienort der Naturbegegnung.
Denn nur wer Natur und Vielfalt kennt, der schützt sie auch (Lindemann-Matthies 2002, Jäkel, Schaer 2004).
Ergebnis:
Der Garten zeigt in exemplarischer Weise, wie durch Gestaltung und Nutzung außerschulischer Lernorte emotional anregend und nachhaltig gelernt werden kann. Dies zeigen uns die Rückmeldungen von Besuchern, die an Fortbildungen, Gartenbesuchen und Unterricht im Garten teilgenommen haben.
Die biologische Bestandsaufnahme mit Unterstützung von Entomologen dokumentierte durch die aufgefundene Biodiversität (insbesondere im Bereich der Arthropoden), dass sich ökologisch orientierte Arbeitsweisen tatsächlich positiv auf die Artenvielfalt auswirken.
Durch umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Jahren ist es gelungen, ein wachsendes Interesse bei Lehrenden und Schulklassen der Region sowie bei Akteuren der Umweltbildung über das Land Baden-Württemberg hinaus auszulösen.