Auswirkungen des Professionswissens von angehenden Chemielehrkräften auf die diagnostischen Urteile im Umgang mit Lernendenvorstellungen
Effects of the Professional Knowledge of Prospective Chemistry Teachers on Diagnostic Judgments in Dealing with Learner Perceptions
Projektdauer:
01.08.21 bis 31.07.25
Kurzinhalt:
Das Diagnostizieren von Lernendenvorstellungen im Chemieunterricht und der professionelle Umgang mit diesen beschreiben ein zentrales Aufgabenfeld von Chemielehrkräften. Der reflektierte Umgang mit Lernendenvorstellungen kann entscheidend dazu beitragen, Chemieunterricht adaptiv und damit effektiver für Schüler:innen zu ermöglichen. Befunde empirischer Studien in anderen Domänen weisen auf einen signifikanten Einfluss des Professionswissens von Lehrkräften auf die Qualität von diagnostischen Urteilen hin. Empirisch werden Diagnostische Urteile meist über die Akkuratheit von bildungskontextbezogenen Entscheidungen der Probanden gemessen. Als Teil des DiaKom-Forschungskollegs greift die vorliegende Studie zur theoretischen Beschreibung und empirischen Erhebung diagnostischer Urteile auf das DiaKom-Rahmenmodell zurück: Das Rahmenmodell bietet eine theoretische Basis, um diagnostische Urteile von Lehrkräften als Informationsverarbeitungsprozess zu postulieren, und um diese letztlich zu modellieren. Das übergeordnete Ziel der vorliegenden Studie ist es, Erklärungswissen zur Genese von diagnostischen Urteilen zu generieren. Im Fokus steht die Wahrnehmung und Interpretation von Lernendenvorstellungen angehender Lehrkräfte für das Fach Chemie. Das Forschungsvorhaben gliedert sich hierfür in drei Teilstudien. In der ersten Teilstudie wird mithilfe von standardisierten Wissens- und einem Vignettentest der Einfluss des chemiespezifischen fachdidaktischen Wissens (PCK) und des chemischen Fachwissens (CK) auf die Qualität des diagnostischen Urteils untersucht. Im Rahmen der zweiten Teilstudie wird durch eine Interventionsstudie eine mögliche Beeinflussung der diagnostischen Urteile von angehenden Chemielehrkräften in Abhängigkeit des Professionswissens geprüft. Hierfür werden durch eine gezielte Manipulation der Wissensbereiche des chemischen Fachwissen (CK) und des chemiespezifischen fachdidaktisches Wissen (PCK) drei Interventionsgruppen mit einer Kontrollgruppe verglichen. Abschließend wird im dritten Teil dieser Arbeit mithilfe von leitfadengestützten Interviews der Prozess der Urteilsgenese der Interventionsteilnehmer beschrieben und sowohl untereinander als auch mit der Kontrollgruppe verglichen, um Rückschlüsse auf die Informationsverarbeitungsprozesse ziehen zu können. Hierfür werden diagnostische Urteile angehender Chemielehrkräfte beim Umgang mit Lernendenvorstellungen in alltagsnahen Unterrichtssituationen genutzt. Ziel der letzten Teilstudie ist es, herauszufinden, wie Chemielehrkräfte ihr Wissen bei der Bewertung von Lernendenvorstellungen abrufen und entsprechende Handlungsalternativen auswählen. Die dritte Teilstudie greift darüber hinaus einen differenzierten theoretischen Rahmen für das Konstrukt PCK auf: Anhand des aktuell diskutierten „Refined Consensus Model“ von PCK sollen explorativ tiefere Einblicke in die Struktur der Wissensfacette von PCK (handlungsnahes: ePCK und persönliches: pPCK) ermöglicht werden. Das Ziel ist es hierbei, spezifischere inhaltliche Kategorien des persönlichen fachdidaktischen Wissens von Chemielehrkräften zu identifizieren, um diese individuell fördern zu können.